Mittwoch, 21. September 2011

Keine Kettenreaktion im Amateurfußball

Die Viererkette ist als Abwehrformation im Profifußball längst Standard. Trends, die sich im Profifußball etablieren, kommen später auch im Amateurbereich an. Doch für die Viererkette gilt diese These bisher nicht. Vor allem auf Kreisebene scheuen die meisten Mannschaften die Umstellung auf die Viererkette. Dabei sehen Fußball-Experten viele Vorteile - zum Beispiel die bessere Raumaufteilung in der Defensive, die Nutzung der Abseitsfalle als taktisches Mittel und schnelleres Umschalten in die Offensive bei Ballgewinn. Doch damit die Abwehrformation funktioniert, muss die nötige Abstimmung vorhanden sein. Die Teams auf Kreisebene trainieren aber in der Regel nur zweimal pro Woche - zu wenig, um für den Feinschliff der Taktik zu sorgen. Zudem muss das entsprechende Personal vorhanden sein. Nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ:  „Eine Viererkette muss eingespielt sein. Sobald jemand ausfällt, hat man ein Problem. Man braucht mindestens acht potentielle Spieler für diese Abwehrreihe. Und das ist auf Kreisebene bei keinem Verein umsetzbar“, sagt Heiko Tinnemeyer, Fußballobmann von Kreisligist Eiche Ostrhauderfehn.
„Viererkette bedeutet auch, dass die anderen Mannschaftsteile mitarbeiten müssen. Und das ist sehr trainingsintensiv. Daher müssten regelmäßig alle beim Training dabei sein. Das ist allein schon aus beruflichen Gründen nicht immer der Fall“, sagt Stephan Ehmen, Trainer des Kreisligisten Holter SV. Trotz aller genannten Mankos gibt es Mannschaften, die sich trotzdem an die Viererkette wagen - der TuS Detern in der 1. Kreisklasse und auch Frisia Völlenerkönigsfehn in der Kreisliga. „Ich habe letzte Jahr meine Trainerlizenz in Barsinghausen gemacht. Da spricht kein Mensch mehr vom Libero“, sagt Frisia-Trainer Thomas Priet. Dass die Umstellung auf die Viererkette Geduld erfordert, musste aber auch Völlenerkönigsfehn erkennen. In der Hinrunde der vergangenen Saison funktionierte die Formation eher selten. Frisia geriet sogar in Abstiegsgefahr. Problem war aber auch hier, dass Trainer Priet durch Verletzungen häufig zu Umstellungen in der Kette gezwungen war. In der Rückrunde zahlte sich die Geduld aus. „In vielen Spielen hat uns die Viererkette entscheidende Vorteile gebracht“, sagt Thomas Priet. „Frisia macht das nicht schlecht. Allerdings ist dort auch das ausreichende Spielermaterial vorhanden“, sagt Jürgen Siemens, Trainer von Kreisliga-Absteiger Teutonia Stapelmoor. „Ich bin der Meinung, dass sich auch in einer Viererkette zumindest ein Innenverteidiger immer mal wieder absetzen muss, um Situationen zu klären“, so Siemens.
Doch auch in Mannschaften, in denen keine Viererkette gespielt wird, ist man weit entfernt vom Libero früherer Prägung. Zwar gibt es den „letzten Mann“ noch - allerdings steht der nicht mehr deutlich hinter der Abwehr, sondern oft auf einer Höhe mit den beiden Manndeckern.
Bei vielen Mannschaften sorgen letztendlich auch die fehlenden Schiedsrichter-Assistenten in den Kreisklassen dafür, dass sie sich gegen die Viererkette entscheiden. Die Abwehr profitiert mit der Viererkette häufig von der Abseitsfalle. Ein Vorteil, der ohne Schiedsrichter-Assistenten auch schnell zum Nachteil werden kann, wenn der Schiedsrichter im Zweifel für die Angreifer entscheidet.
Doch die Viererkette könnte in Zukunft auch auf Kreisebene häufiger Anwendung finden. Die Grundlagen dazu müssten den Spielern aber bereits früh vermittelt werden. Heute passiert in der Nachwuchsarbeit oft noch das Gegenteil. Gut ausgebildete Jugendtrainer, die auch noch ehrenamtlich arbeiten, sind Mangelware. Peter Rand, Routinier des Bezirksligisten TuS Weener, erklärt: „Das Hauptproblem an der Kette ist die Raumdeckung. Alle lernen in der Jugend, ihrem Gegenspieler hinterherzulaufen. Und das ist schwer aus dem Kopf zu kriegen.“

Kommentare:

  1. Kein Wunder, dass TUS Detern momentan so abk..kt. In der 1. KK , wo ohne Lininenrichter gespielt wird, ist ne 4er-Kette glaub ich mehr als mutig - ausserdem haben die da doch niemals das richtige Personal für, wenn ich mir die Abwehr da mal anschau...

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  2. Detern hat die Viererkette längst wieder abgehakt

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