Mittwoch, 18. Mai 2011

Den Vereinen gehen die Spieler aus

Der Jugendfuß­ball hat auch im Kreis Leer mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. 340 Jugendmannschaften aus dem Landkreis starteten im Sommer 2010 in die Saison. Inzwischen sind nur noch 318 Teams übrig. 22 Mannschaften wurden im Saisonverlauf abgemeldet - davon sieben A-Jugend-Teams. Eine alarmierende Entwicklung. Für die Zukunft sagen Experten noch größere Probleme voraus. Schuld ist aber nicht nur der demografische Wandel (die Veränderung der Zusammensetzung der Altersstruktur in der Bevölkerung).
Der Nachwuchs möchte weiterhin Tore bejubeln. Doch in einigen Altersklassen
bekommen die Vereine bereits jetzt keine Mannschaften mehr zusammen.


Freizeit-Konkurrenz

„Die Jugendlichen sind nicht mehr so fußballbegeistert wie früher. Das alternative Freizeitangebot wird immer größer“, sagt Hermann Weiland, Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußballkreis Leer. „Aktiv Fußball zu spielen bedeutet, dass man zweimal in der Woche trainiert und am Wochenende spielt. Das ist für einige zu viel Verpflichtung“, so Weiland. Zumal andere Verpflichtungen immer mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Die Ganztagsschule wird zu einer weiteren Verschlechterung führen. Grundschulkinder, die um 16 Uhr aus der Schule kommen, haben vermutlich wenig  Lust auf ein anschließendes Fußballtraining“, sagt Hermann Weiland.

Mit dem SV Neufirrel, Kickers Leer, Borussia Leer und Eintracht Nüttermoor stellen bereits jetzt vier Vereine im Kreis Leer keine Jugendmannschaften. Weitere dürften folgen. Die Folgen des demografischen Wandel sind bisher nur in Ansätzen spürbar. Vor zwei Jahren gingen im Kreis Leer beispielsweise fünf F- und fünf E-Jugend-Mannschaften weniger an den Start. „Das war erst der Anfang“, befürchtet Hermann Weiland. Zukünftig werden auch Spieler für den Erwachsenenbereich knapp: „In zwölf Jahren wird vielen Herrenmannschaften der Nachwuchs ausgehen“, so Weiland.
In dieser Saison ist besonders der Schwund bei den A-Jugend-Mannschaften auffällig. U19-Teams renommierter Vereine wie VfR Heisfelde und Concordia Ihrhove wurden im Saisonverlauf abgemeldet. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle: „Die Spieler sind in einem schwierigen Alter“, sagt Hermann Weiland. Statt Fußball steht oftmals Feiern auf dem Programm. Feste Liebesbeziehungen werden wichtiger als der Sport. Doch auch Abitur- und Ausbildungsstress lassen wenig Zeit für das runde Leder.


Jugendliche in Herrenteams

Zudem leiden A-Jugend-Mannschaften darunter, dass es bei einigen Vereinen im Herrenbereich Spielerschwund gibt. Dann müssen oft A-Jugendliche aushelfen und stehen ihren U19-Teams nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zur Verfügung.
Vereine und Verbände sind zum Handeln gezwungen. Nur noch wenige Klubs stellen Mannschaften in allen Altersklassen. Um Kindern und Jugendlichen aller Altersklassen die Möglichkeit zu bieten, Fußball zu spielen, sind Spielgemeinschaften heute ein gängiges Mittel. Bereits in dieser Saison gibt es allein im Kreis Leer 54 Jugendspielgemeinschaften.  Zudem wurden 150 Zweitspielrechte für Spieler genehmigt. Die Jugendlichen, die im eigenen Verein in ihrer Altersklasse keine Spielmöglichkeit haben, bekommen für einen anderen Verein dieses so genannte Zweitspielrecht.
Mittlerweile etablieren sich auch in Ostfriesland Jugendfördervereine (JFV). Mehrere Vereine können ihre Jugendarbeit in diesem JFV bündeln und so Spielmöglichkeiten für alle Altersklassen gewährleisten. Der TuS Weener,  der TuS Holthusen, Teutonia Stapelmoor und der Heidjer SV gründeten den JFV Oberrheiderland. In Leer planen Frisia Loga und der VfL Germania Leer den JFV Leer. Auch in Moormerland gibt es JFV-Bestrebungen. 

Deutlich weniger Kinder

Eines ist sicher: Die Vereine sind gefordert, künftig auf die Jugendlichen zuzugehen. Denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen sinkt auch im Landkreis Leer drastisch. Heute leben im Kreis 28.500 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 20 Jahren. Im Jahr 2031 werden es nach Berechnungen des Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie nur noch rund 19.000 sein.
Die verbleibenden Jugendlichen müssen erst mal für den Fußball begeistert werden. Die Verbände haben das erkannt. Künftig wird auch die Zusammenarbeit von Vereinen mit Schulen eine Rolle spielen. „Wenn die Kinder nicht zum Fußball kommen, muss der Fußball zu den Kindern kommen“, sagt Hermann Weiland. „Wir müssen die Kooperationen mit den Schulen suchen.“
Um den Spielbetrieb in allen Altersklassen trotz rückläufiger Spielerzahlen und Mannschaften aufrecht zu erhalten, denkt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) längst über Lösungen nach: Wenn Fußballkreise weniger als 600 Mannschaften aufbieten, sollen sie sich mit benachbarten Kreisen zusammenschließen. Ein Fußball-Kreis Aurich-Leer wäre also künftig denkbar.

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