Dienstag, 5. April 2011

„Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt"
Ex-Profi Uwe Eckel, Trainer von Concordia Ihrhove


Eckel-Autogramm in Kaiserslautern (1988)
Es gibt Menschen, bei denen zeichnet der Fußball ganze Lebenswege. Einer dieser Menschen ist Uwe Eckel. „Ohne Fußball wäre ich nicht in Ostfriesland gelandet", sagt Eckel.
Der Trainer des Bezirksligisten Concordia Ihrhove begann seine Karriere beim VfB Iggelheim. Als er später beim benachbarten Palatia Böhl spielte, entdeckten ihn Talentspäher von Waldhof Mannheim.
Eckel wechselte in die A-Jugend-Mannschaft des damaligen Bundesligisten. „Ich kam vom Dorf und saß plötzlich mit Jürgen Kohler und Maurizio Gaudino in einer Kabine. Die beiden sprachen davon, dass sie gerade Profiverträge unterschrieben haben. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt.“ Während Kohler und Gaudino den direkten Weg in das Profigeschäft gingen, nahm Eckel einen kleinen Umweg. Er ging zum Verbandsligisten Amicita Viernheim – und machte dort gleich mit 19 Saisontoren auf sich aufmerksam. Eckel wechselte zu Wormatia Worms. Auch in der 3. Liga lief es prima. Der Stürmer bestätigte seinen Torriecher. Die guten Leistungen entgingen auch höherklassigen Vereinen nicht. „Der damalige Zweitligist 1. FC Saarbrücken wollte mich haben. Am Tag, als das Gespräch mit Saarbrücken stattfinden sollte, rief Rainer Geye vom 1. FC Kaiserslautern an“, erinnert sich Eckel. Dann ging alles ganz schnell. „Ich war Feuer und Flamme. Als Jugendlicher hatte ich auf dem Betzenberg regelmäßig in der Fankurve gestanden. Jetzt sollte ich die Gelegenheit bekommen, in Kaiserslautern zu spielen.“ Tatsächlich wechselte Uwe Eckel zum FCK. „Richtig realisiert habe ich das Ganze erst, als wir am 3. Spieltag in Dortmund antreten mussten. Das Westfalenstadion war damals noch nicht so groß wie heute – aber trotzdem ein Hexenkessel. Als ich aus den Katakomben kam, raste mein Herz. Schritt für Schritt, mit dem ich mich dem Innenraum des Stadions näherte, wurde es schneller. Die Lautstärke war beeindruckend. Das vergisst man nie.“ In der 75. Minute wurde Eckel für Sergio Allievi eingewechselt. Kaiserslautern schaffte in der Schlussminute den 1:1-Ausgleich.

Der Betze bebt

Eine Woche später durfte Eckel auch am heimischen Betzenberg ran. Die Pfälzer spielten 0:0 gegen Hannover. „Harald Kohr schoss ein Abseitstor für uns. Das Stadion explodierte. Ich zuckte zusammen. Diese Stimmgewalt des Stadions durchfuhr meinen Körper. Das sind unbeschreibliche Erlebnisse“, sagt der 44-Jährige. Es blieben allerdings die beiden einzigen Einsätze für den FCK. „Es war eine unbefriedigende Zeit in Kaiserslautern. Es lief nicht so gut wie erhofft. Ich wechselte zu Hannover 96 in die 2. Bundesliga, um wieder Selbstvertrauen zu tanken.“ In der niedersächsischen Landeshauptstadt lief es besser. Im ersten Jahr kam Eckel zwar nur auf zehn Einsätze, da ihn Verletzungen zurückwarfen. Im zweiten Jahr avancierte er aber zum Stammspieler, der fünf Tore in 25 Einsätzen erzielte. 

Eckel bewahrt den HSV im UEFA-Cup vor einer Heimblamage

Durch die guten Leistungen gelang der Sprung zurück in die 1. Liga. Eckel wechselte zum Hamburger SV. Sein erstes Spiel für den HSV absolvierte er im UEFA-Cup. Zu Gast im Volkspark war Gornik Zabrze. Die Gäste aus Polen führten 1:0. „Das Publikum wurde schon unruhig. Mit einer Niederlage im Hinspiel wäre es im Rückspiel schwierig geworden“, sagt Eckel. Trainer Gerd-Volker Schock wechselt ihn in der 66. Minute für Harald Spörl ein. In der 79. Minute schnappte sich Eckel den Ball, ließ zwei oder drei Spieler stehen und traf aus 20 Metern zum 1:1. „Es war eine unglaubliche Ausschüttung von Glückshormonen. Man kann dieses Glücksgefühl nicht beschreiben, wenn man es nicht erlebt hat. Millionen Zuschauer am Fernseher hatten mein wichtiges Tor gesehen.“ Zu Hause lief bei Eckel der Videorecorder. „Natürlich habe ich mir das Tor danach noch oft angeschaut. Kurioserweise war der Treffer zum 3:2 gegen Germania Leer am letzten Spieltag der vergangenen Saison fast eine Kopie des damaligen Tores.“ Durch das 3:2 in der Nachspielzeit gegen Leer sicherte Eckel seiner Mannschaft in der letzten Sekunde den Klassenerhalt. Der Trainer hatte sich einige Minuten zuvor selbst eingewechselt. 

Grundstein für berufliche Zukunft gelegt

Zehnmal spielte Eckel für den Hamburger SV in der Bundesliga. Bereits während seiner Profizeit legte er den Grundstein für eine berufliche Zukunft. „Ich habe viele Profis gesehen, die das nicht machten. Mir war bewusst, dass ich nicht immer nur vom Fußball leben kann. Damals hat man als junger Profi auch nicht so viel verdient, wie einige Leute denken.“ Eckel hatte in seiner Jugend eine Maurer-Ausbildung absolviert. „In meiner A-Jugend-Zeit in Mannheim war ein Kumpel von mir Student. Er hat mir gezeigt, welche Möglichkeiten sich mit der passenden Schulbildung ergeben.“ Der Fußballer holte seine mittlere Reife nach – und erwarb im Fernkurs sogar die Fachhochschulreife.
„Ich hatte zwar meine schulische Qualifikation nach oben geschraubt, hatte aber weiterhin nur den Maurer-Abschluss. Daher klang das Angebot von Concordia Ihrhove damals sehr interessant.“

Firma Müsing lockt Eckel nach Ostfriesland

SVC-Hauptsponsor Müsing bot eine Ausbildung zum Industriekaufmann, wenn Eckel die Fußballschuhe für die Concorden schnüren würde. Nach seinen Stationen VfB Lübeck, TuS Hoisdorf und VfL 93 Hamburg wagte Eckel 1997 den Schritt nach Ostfriesland.
In Ihrhove durfte Eckel (Mitte) viele Erfolge bejubeln.
In Ihrhove wurde er als Spieler der Oberligamannschaft zum Publikumsliebling. Eckel blieb in Ostfriesland. An der FH Emden schloss er sein BWL-Studium ab. „Der Fußball hat mir den Weg dorthin geebnet“, sagt der 44-Jährige, der inzwischen bei einer Hamburger Firma arbeitet, die Maschinen für die Druckweiterverarbeitung herstellt. Er pendelt derzeit zwischen der Hansestadt und Ihrhove. 
Ob er daher nächste Saison als Trainer von Concordia weitermacht, ist noch nicht ganz sicher: „Ich gehe eigentlich davon aus. Aber ich bin in der Woche ein Trainer aus der Ferne. Das geht nur mit der Unterstützung eines zuverlässigen Trainerteams.“ 

Eines ist für Uwe Eckel aber klar: „Dem Fußball werde ich in irgendeiner Form immer verbunden bleiben. Er hat den größten Teil meines Lebens geprägt.“ Die Grundlagen für seine Trainertätigkeit hat der Ihrhover Coach übrigens schon im Jahr 1994 in Malente gelegt. Damals erhielt er beim dortigen Lehrgang seine Trainer-B-Lizenz mit der Note 1,9.

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